Frauen und Erwerbsarbeit - Sag mir wo die Frauen sind!


Abb. 31 konzeptive Überlegungen

Irene Ecker, Sabine Mandl

1. Konzeptive Überlegungen zur Gestaltung didakticher Szenarien Überlegungen

Themen in der Politischen Bildung sind in ihrer Mehrdimensionalität zu erfassen und problemorientiert zu formulieren. Den Schüler/innen soll die Möglichkeit eingeräumt werden, sich den Themen eigenständig und (selbst-)reflexiv zu nähern und mithilfe von Schlüsselfragen zu analysieren. Das bloße Aneinanderreihen von Fakten, Daten und Zahlen würde auch bei dem hier dargestellten Thema „Frauen und Erwerbsarbeit“ zu kurz greifen, denn über die Beschreibung des Problems hinaus sollen Erklärungsansätze, Lösungsvorschläge sowie Handlungsanleitungen erarbeitet werden. Ein Ziel der Politischen Bildung ist es, Lernumgebungen zu schaffen, in denen SchülerInnen erfahren und erkennen, dass Politik auch immer mit ihnen zu tun hat. Daher versuchen die ausgewählten Unterrichtsbeispiele an den Lebenswelten von Schüler/innen anzuknüpfen, um ihnen aufzuzeigen, dass Entscheidungen der Politik auch ihr Leben berühren.

Abb. 32 Mechanikerin, rollenuntypischer Beruf

     

  • Warum sind Frauen meist in niedrig bezahlten Bran­chen anzutreffen?
  •  

  • Warum sind sie häufig teilzeitbeschäftigt?
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  • Warum verdienen Frauen weniger als Männer?
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  • Warum bekleiden so wenige Frauen Führungspositionen?
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  • Was versteht man unter Arbeit?
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  • Welche Arbeit wird wie bewertet?
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  • Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Frauen und Männer?
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  • Warum unterscheidet man zwischen Frauen ­ und Män­ner berufen?
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  • Was ist typisch weiblich und männlich?
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  • Inwieweit beeinflussen stereotype Rollenbilder die Ge­sellschaft (Arbeitswelt/Familie)?
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  • Sind Rollenzuschreibungen statisch oder verändern sie sich im Laufe der Zeit?
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  • Was heißt das für jede/n Einzelne/n und ihre/seine Berufs- und Lebensziele?
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  • Welche gesellschaftlichen und politischen Rahmenbe­dingungen sind erforderlich, um den Grundsatz der Chancengleichheit realisieren zu können?

 

2. Implementierung des Kompetenzmodells Politischer Bildung

Abb. 33 Kompetenzen

Politische Bildung ist der Ort, wo vor allem Kompetenzen erworben werden, die SchülerInnen befähigen, an der Gesellschaft gleichberechtigt teilzuhaben. Das Thema „Chancengleichheit am Arbeitsmarkt“ spricht insbesondere die Handlungs-, Urteils- und Methodenkompetenz an, die im Rahmen eines Kompetenz-Strukturmodells zur Politischen Bildung(1) erarbeitet wurden.

Handlungskompetenz meint die „Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft, eigene Positionen in politischen Fragen zu formulieren und zu artikulieren, politische Positionen anderer zu verstehen und aufzugreifen sowie an der Lösung von Problemen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft unter Rücksichtnahme auf eigene und fremde Bedürfnisse mitzuwirken.“

Unter Urteilskompetenz versteht man „Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft zu einer selbstständigen, begründeten und möglichst sach- und/oder wertorientierten Beurteilung politischer Entscheidungen, Probleme und Kontroversen.“

Methodenkompetenz bedeutet: „Verfügen können über Verfahren und Methoden, die es erlauben, sich mündlich, schriftlich, visuell und/oder in modernen Medien politisch zu artikulieren. “

Das Thema soll aufgrund von vorliegenden politischen Entscheidungen und statistischen Erhebungen analysiert und die Daten interpretiert werden (Methodenkompetenz). Die daraus gewonnen Teilurteile sollen zu selbstständig gefällten, politischen Urteilen führen (Urteilskompetenz). Die eigenen Meinungen, Werturteile und Interessen sollen artikuliert bzw. vertreten werden und zu eigenen bewussten Entscheidungen führen (Handlungskompetenz). Die Auseinandersetzung erfolgt in interaktiven Kommunikationsforen und eigenständigen Reflexionsprozessen. Die gewonnen Ergebnisse sollen auf unterschiedliche Art und Weise artikuliert und präsentiert werden (Methodenkompetenz).

In den im nächsten Kapitel ausgearbeiteten Unterrichtsbeispielen gibt es Hinweise zu den zu erwerbenden Teilkompetenzen. Mithilfe von Schlüsselfragen können komplexe Themen mehrdimensional erschlossen werden. Die Lernziele bzw. die Schlüsselfragen beziehen sich auf die nachfolgenden Übungen.

 

3. Lernziele

Abb. 34 eigene Berufswahl reflektieren

  • Wahrnehmung der Situation und Reflexion über die Ursachen von geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und Ungleichstellung am Arbeitsmarkt.
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  • Die Kategorie „Arbeit“ soll hinterfragt werden, Sichtbarmachen von unbezahlter Arbeit.
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  • Die Zuschreibung von geschlechtsspezifischen Eigenschaften und Verantwortlichkeiten soll problematisiert und aufgebrochen werden.
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  • Eine historische Auseinandersetzung – auch mit der eigenen Familie – soll aufzeigen, dass sich Geschlechterrollen im Laufe der Zeit wandeln und daher veränderbar sind.
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  • Eigene Berufswahl reflektieren.
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  • Über Lebensmodelle (beruflich/privat) nachdenken, die es Frauen und Männern ermöglichen, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

 

4. Lehrplanbezug

Abb. 35 internationale Vertreterinnen der Frauenbewegung

Grundsatzerlass zur Politischen Bildung für alle Schultypen und Unterrichtsfächer der Sekundarstufe I und II.

Grundsatzerlass zur Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern.

  • (A)HS: 4. Klasse GSK/PB:

Österreich – die Zweite Republik: politisches System, außenpolitische Orientierung, Wirtschafts- und Sozialpolitik im Wandel; Neue Soziale Bewegungen (Umweltbewegung, Frauenbewegung)

  • AHS: 5./6. Klasse GSK/PB:

die Entwicklung des Rechts im Spannungsfeld von Herrschaft und Zusammenleben (Formen und Modelle der politischen Beteiligung

– Gegenüberstellung mit gegenwärtigen Demokratiemodellen; Ständegesellschaft; Frauen und Männer im jeweiligen System; Verwaltungsentwicklung, Entwicklung der Territorialstaaten)

gestaltende Kräfte des 19. Jahrhunderts in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und ihre Folgen bis 1918 (Nationalismus; Liberalismus; Konservativismus, Sozialismus; industrielle Revolution; Frauenemanzipationsbewegungen; Ursachen und Folgen des Ersten Weltkrieges)

  • AHS: 7. Klasse GSK/PB:

emanzipatorische, soziale Be­wegungen und Gegenströmungen nach 1945 (Frauen-, Jugend- und Studentenbewegungen; Demokratisierungswellen; Friedens- und Anti-Atom-Bewegung; Neokonservativismus, Neoliberalismus)

  • HTL, HAK, HBLA: GSK/PB:

zu Frauenbewegungen und zur Stellung von Frauen in den jeweiligen Fächern oder Fächerkombinationen bzw. Rechtskunde als eigenständigem Fach

(Vgl. www.politik-lernen.at/content/site/basiswissen/politischebildung/lehrplaene/index.html ;

www.bmukk.gv.at/schulen/unterricht/index.xml  beide Zugriff 10. August 2010) sowie

www.bmukk.gv.at/ministerium/rs/1995_77.xml Zugriff 20. September 2010)

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