Wochenschau - "Zeit im Bild" -Ö1 - Journalsendungen: ein mediendidaktischer Exkurs


Klaus Edel

Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema „Der Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen 1968 in Prag“ spielen Medien eine wichtige Rolle. In unserer heutigen digitalisierten und global vernetzten Welt ist es für uns selbstverständlich, dass nahezu jedes Ereignis an fast jedem beliebigen Punkt der Erde uns vielfach in Echtzeit von Profis oder zufällig am Schauplatz anwesenden Personen via Smartphone, Tablet, Satellitentelefon oder Internet ins Haus als Bild, Tonaufnahme oder Stream geliefert wird. Immer mehr Printmedien bieten ihre Inhalte mittels Online Versionen, Apps bzw. Newslettern an und aktualisieren diese mit „Breaking News“. Die Medienwelt vor nahezu 50 Jahren sah da etwas anders aus und es ist für den Einsatz im Unterricht wichtig, über die Arbeits- und Einsatzbedingungen der verschiedenen Formate Bescheid zu wissen.

 

1. Die Wochenschau

Abb. 69 Kriegskinematographen an der Westfront

Abb. 70 Signation Weltjournal

Abb. 71 Signation Fox Tönende Wochenschau

Die Wochenschau war eine eigens für das Kino produzierte wöchentliche Zusammenstellung mehrerer Filmberichte über aktuelle nationale oder internationale politische, gesellschaftliche und kulturelle sowie sportliche Ereignisse, die als Vorläufer zu den Nachrichtensendungen des Fernsehens angesehen werden kann. Sie hatte chronikartigen Dokumentar- und Nachrichtencharakter. Interessant wurde dieses Format erstmals im Ersten Weltkrieg, der zum modernen Medien- und Filmkrieg wurde. Die bewegten Bilder hatten nicht nur die Funktion der „authentischen Dokumentation“, sondern ermöglichten den „zu Hause Gebliebenen“ die visuelle Teilnahme am Geschehen und boten den Betrachterinnen/ Betrachtern teilweise mit Hilfe eines Kinoerzählers Sinndeutung an. (Kleinhans 2012, 1; Kleinhans 2014, 1–2) Für Österreich-Ungarn produzierte das Kriegspressequartier (KPQ) diese Wochenschauberichte, wobei die vom Publikum angenommene Authentizität der (bewegten) Bilder in Wirklichkeit das manipulative Produkt des KPQ war. (Scheidl 2014)

Weitere Produkte der Gesellschaft waren (zwischen 1954 und 1971) das mehr international ausgerichtete „Weltjournal“, das monatlich erscheinende „Hallo Kino“ für die österreichischen Lichtspieltheater sowie Dokumentar- und Informationsfilme über populäre Themen wie zum Beispiel „Die Spanische Reitschule in Wien“ für ausländische TV-Stationen. Mit dem Erscheinen der „Austria Wochenschau“ stellten die Alliierten ihre Wochenschauen ein, (Pfister 2012, 74–77) allerdings brachten die USA anstelle der „Welt im Film“, die Motion Picture Export Association (MPEA) „Tönende Wochenschau“ heraus, die jedoch 1952 von der „Fox Tönenden Wochenschau“ abgelöst wurde. Sie war im Vergleich zur „Austria Wochenschau“ dank der Zulieferung durch die amerikanische Muttergesellschaft in ihren Berichten aktueller und spektakulärer. Die bereits fertig gelieferten Ausgaben, die in München synchronisiert wurden, ergänzte das Österreich Büro noch mit ein bis drei lokalen Beiträgen. Leiter dieser Stelle war Otto Pammer, der auch Regisseur, Kameramann, Cutter und Chauffeur in einer Person war. Er produzierte in 24 Jahren für die Fox rund 24.000 Beiträge. (Pfister 2012, 77f; ORF 2008)

Als Folge der steigenden Bedeutung des Fernsehens und des einsetzenden Kinosterbens begann der Niedergang der Wochenschauen. Die „Austria Wochenschau“ versuchte durch mehrere „Reformen“ wie teilweiser Einsatz von Farbberichten, Beschäftigung von Frauen neben den beiden Hauptsprechern Heinz Fischer-Karwin und Walter Niesner sowie schließlich der Einführung von Original-Tonberichten noch mithalten zu können, doch 1978 kam das Aus für die klassischen Wochenschauen („Austria Wochenschau“, „Fox Tönende Wochenschau“). (Pfister 2012, 78f; Filmarchiv 2014)

 

1.1 Das Format Wochenschau

Abb. 72 Signation ÖBuT

Bei der Wochenschau wurden kurze Filmberichte zu einem Kurzfilm aneinandergefügt und vor der Einführung des Tonfilms teilweise von einem Kinoerzähler kommentiert. Zum Teil bot ein kurzes Insert den Hinweis auf den Inhalt bzw. den Schauplatz. Mit dem Tonfilm kam zur Bedeutung des Bildes noch der Ton, wobei damit Sprache, Geräusche und Musik einbezogen wurden. Die Wochenschau des „Ständestaates“ „Österreich in Bild und Ton“ (ÖBuT) setzte dabei bereits auf die Verwendung von Originaltonaufnahmen, um die Hauptakteure, Bundeskanzler Engelbert Dollfuß bzw. Kurt Schuschnigg, Bundespräsident Wilhelm Miklas oder den Wiener Bürgermeister Richard Schmitz propagandistisch zu präsentieren. (Moser 2002, 4-8; ÖBuT 1b/33; ÖBuT 48a/34)

Bei der „Austria Wochenschau“, die fast bis zu ihrem Ende 1978 im Schwarz-Weiß-Format erschien, gab es bis 1968 keinen O-Ton, sondern die Sprecher (erst gegen Ende gab es auch Sprecherinnen) berichteten, was die jeweilige im Bild gezeigte Persönlichkeit sagte. Der Proporz bestimmte über Jahrzehnte die inhaltliche Gestaltung und dementsprechend achtete der Programmbeirat genau darauf, dass die Berichte über die Großparteien sowie deren Vorfeldorganisationen bzw. Vertreter/innen genau ausgewogen waren. Im Schnitt dauerte eine Wochenschau zehn Minuten. (Filmarchiv Austria 2014)

1.2 Der Einsatz der Wochenschauen

Abb. 73 Non Stop Kino Graz

Der gezielte politische Einsatz der Wochenschau, wenn auch mit unzureichenden Mitteln, begann 1933, als die ÖBuT aufgrund einer Verordnung in allen Tonkinos gezeigt werden musste. Da es aber viel zu wenig verfügbare Kopien gab, war von Aktualität und rascher Information keine Rede. Aufgrund der knappen Ressourcen stand nicht einmal 10% der österreichischen Kinos die aktuelle Wochenschau zur Verfügung, was in vielen Fällen eine Nachspielzeit von bis zu einem halben Jahr verursachte. (Selinger 2004) Ab 1936 entstanden in Wien und in der Folge auch in Linz, Salzburg und Innsbruck eigene Wochenschaukinos. In den 1950er-Jahren, in der Blütezeit des Films, verfügte nahezu jede Großstadt über diese oft in Bahnhofsnähe gelegene Institution. In Wien waren dies das „Ohne-Pause-Kino“ am Graben, das „Non-Stop-Kino“ auf der Mariahilfer Straße oder das „Welt im Film-Kino“ auf der Landstraßer Hauptstraße sowie das „Welt-Kamera-Kino“ beim Westbahnhof. Am längsten hielt sich das in den 1950er-Jahren erbaute Kino am Grazer Hauptbahnhof, das allerdings schon längst keine Wochenschauen präsentierte und erst im September 2010 endgültig seine Pforten schließen musste.

Gezeigt wurden nach 1949 in diesen Wochenschaukinos meist zwischen 10 und 22 Uhr in einer Endlosschleife ohne Unterbrechung die wöchentlich wechselnden Ausgaben der „Austria-“ sowie die „Fox Tönende Wochenschau“ bzw. das „Weltjournal“, zusammen mit ein bis zwei Kurzfilmen und/ oder einem Zeichentrickfilm. (Edel 2004b)

In den übrigen Kinos gehörte die Wochenschau zusammen mit einem Kurzfilm, in Großkinos eventuell einer kurzen Werbe- oder Modeschau, zum Vorprogramm, wobei die „Austria Wochenschau“ vorwiegend die staatlichen und KIBA Kinos, die „Fox Tönende Wochenschau“ hingegen in erster Linie die privaten Lichtspieltheater bespielte. Die „Austria Wochenschau“ lieferte zur Blütezeit wöchentlich 300 Kopien aus, wenn man allerdings bedenkt, dass es damals alleine in Wien rund 200 Kinos und andererseits bis in kleine Dörfer Kinos gab, betrug der Verzögerungseffekt etliche Wochen, bis eine Wochenschau auch das Lichtspieltheater im Dorf erreichte. Damit hatten die Beiträge keinerlei Aktualität mehr.

2. „Zeit im Bild“

2.1 Die Anfänge der österreichischen Fernsehnachrichten

Abb. 74 Zeit im Bild

Im Mai 1955 nahm der österreichische Rundfunk seinen Fernsehversuchsbetrieb auf. Eine der ersten Sendungen war am 15. Mai eine Übertragung von der Staatsvertragsunterzeichnung im Belvedere. Mit 1. August 1955 begann der planmäßige Versuchsbetrieb mit drei anfangs jeweils dreißig Minuten dauernden Sendeterminen pro Woche, die zwischen 17 und 18 Uhr angesetzt waren, damit die nach Hause strebenden Berufstätigen in den Schaufenstern von Radiogeschäften die Sendungen wahrnehmen konnten. Damals waren in ganz Österreich 516 Fernsehapparate angemeldet, doch stieg die Zahl innerhalb von zehn Jahren sprunghaft auf 100.000 (31.12.1959), 250.000 (1961), 500.000 (1964), 750.000 (1966) und im Februar 1968 auf eine Million Teilnehmer/ innen an.

Der Nachrichtenteil gestaltete sich noch simpel. Es gab nur das „Bild des Tages“, das aus einem oder einigen wenigen Pressefotos bestand, zu dem/denen der Sprecher Ernst Kovar einen zumeist improvisierten Kommentar abgab. Ende September wurden erstmals auch kurze 16 mm Filmsequenzen und ab Oktober bereits die ersten Studiointerviews gesendet. Mit dem „Zeitspiegel“ übernahm das Fernsehen das Format „Wochenschau“. (Edel 2004b)

Gegen Ende 1955 wurde zum ersten Mal „Zeit im Bild“ ausgestrahlt,(77) erst ab 1. Jänner 1957 sechsmal die Woche. Der Name war nicht neu, „Zeit im Bild“ war bereits Titel einer seit 1902 erschienen Zeitschrift im Deutschen Reich(78), die Bilder und Korrespondentenberichte beinhaltete. (Freund 2014) Nach dem Zweiten Weltkrieg erschien 1946 die Zeitschrift „Zeit im Bild“ in Dresden im Sachsenverlag, die sich der durch die SED begründete gleichnamige Verlag 1952 aneignete. Thaddäus Podgorski, Schaupieler, Mitarbeiter beim Sender Rot Weiß Rot und ab 1955 für das österreichische Fernsehen tätig, übernahm nach seinen Angaben diesen Titel von dieser Zeitschrift als Provisorium, bis etwas Besseres gefunden würde. (Wikipedia 2015; „Die Presse“ 2015, 29. Jänner) Eugen Freund vertritt hingegen die Meinung, dass Thaddäus Podgorski eher die Zeitschrift aus dem Deutschen Kaiserreich gekannt habe. (Freund 2014) Untergebracht war das Fernsehen 1955 in Behelfsstudios in Meidling in der ehemaligen Schule Singrienergasse 19–21, 1120 Wien, später in Gebäuden im Schönbrunner Botanischen Garten an der Maxingstraße und ab 1961 befand sich das TV-Studio in der Innenstadt im Ronacher. (Wien Geschichte Wiki 2014)

2.2 Das Format „Zeit im Bild“

Abb. 75 Sprecher/innensendung

Abb. 76 Hugo Portisch als Korrespondent in Prag (16. Juli 1968)

Die Nachrichtensendung, die ab 1. Jänner 1957 regelmäßig mit Wort- und Filmbeiträgen ausgestrahlt wurde und eine Sendedauer von 30 Minuten erreichte, hatte ihr Vorbild in den „O’Clock News“ der BBC. Vom Typ her war es in den 1950er- und 1960er-Jahren eine Sprecher/innensendung, bei der die Nachrichtensprecher/innen vor der Kamera saßen, deren Einstellung nicht variiert wurde und die vorbereitete Texte ablasen. Das Arrangement und die ruhige Stimmführung ohne subjektive Anteilnahme vermittelten den Eindruck einer neutralen Instanz. (Edel 2004d)

An Textsorten kamen neben der Sprecher/innenmeldung der Nachrichtenfilm, der Korrespondentinnen-/Korrespondenten- bericht, die Reportage und das Statement, in selteneren Fällen auch das Interview zur Anwendung. (Edel 2004e) Ab 24. April 1967 gab es für die Nachrichtensendungen nach dem Vorbild der BBC eine gemeinsame Chefredaktion für Hörfunk und Fernsehen unter der Leitung von Alfons Dalma. Bis 1958 wurden die Sendungen live produziert, erste Aufzeichnungen gab es ab 1958 und ein frühes Magnetaufzeichnungssystem stand ab 1961 zur Verfügung.

2.3. Der Korrespondentinnen-/Korresponden- tenbericht

Der Korrespondentinnen-/Korrespondentenbericht ist ein inhaltlich und zeitlich umfassender Bericht, der auch noch andere Elemente wie Interviews, Statements oder Publikumsbefragungen enthalten kann und bei dem die Autorin/der Autor durch Insert und/oder persönliches Auftreten im Gegensatz zur Praxis der Sprecher/innensendung gezeigt wird. Zu den Medienformaten, die in diesem Dossier eine Rolle spielen, gehören die Korrespondentinnen-/Korrespondentenberichte von Hugo Portisch aus Prag für die „Zeit im Bild“ des ORF. Diese Berichte von jeweils ca. fünf Minuten wurden an öffentlichen Plätzen in Prag gedreht. Hugo Portisch spricht frei vor laufender Kamera. Die fertigen Filme wurden in Dosen verpackt, mit dem Taxi zum Flughafen gebracht und mit der nächsten AUA-Maschine nach Wien befördert. In Schwechat wartete schon ein Taxi für den Transport in das Studio im Ronacher.(79) Das ORF-Informationsmaterial über die Ereignisse in der CSSR wurde von allen bedeutenden Rundfunkanstalten der freien Welt als Grundlage ihrer Berichterstattung übernommen. Das Format der „Zeit im Bild“ wandelte sich ab 1975 etappenweise zu einer Studiosendung (Edel 2004f; Edel 2004g) und schließlich zu einer Journalsendung. (Edel 2004h)

Abb. 77 Wahljournal

3. Die Ö1-Journale

3.1 Die Anfänge der Journalsendungen

Am 31. August 1920 sendete der Sender „8MK“ in Detroit die ersten Radionachrichten.(80) Das Format der Sprecher/innensendung wurde von allen Rundfunkstationen, die in der Folge weltweit entstanden, übernommen. Das galt auch bis zur Reform von 1967 für den ORF. 1967 kam es im Gefolge des Rundfunkvolksbegehrens zur Einrichtung des „Mittagsjournals“ als neuem Nachrichtenformat auf Ö1, das 1968 um das „Morgen- bzw. Abendjournal“ erweitert wurde. 1977 folgte das „Nachtjournal“ als eine Kurzzusammenfassung von bereits gesendeten Beiträgen. Schließlich kamen noch das „Journal um fünf “ (2001) sowie das „Frühjournal“ (2004) hinzu. An Wahlsonntagen oder bei außergewöhnlichen Ereignissen sendet der Aktuelle Dienst in Ö1 ein „Sonderjournal“. Die einzelnen Journalsendungen werden täglich außer Sonntag ausgestrahlt. Für den Sonntag gibt es eigene Journale: ein „Journal um fünf “, das „Sonntagsjournal“ sowie ein „Abendjournal am Sonntag“. (Hubauer 2013, 1)

3.2 Das Format Journalsendung

Das Charakteristische der Journalsendung ist, dass eine Moderatorin/ ein Moderator die Sendung gestaltet. Das neue Format besitzt ein Grundschema, das sich in den Jahrzehnten seit der Einführung nicht wesentlich verändert hat und für alle Journale gilt, lediglich die Sendedauer der einzelnen Journale differiert. Am Beispiel des Mittagsjournals von 12.00 bis 13.00 Uhr lässt sich die Struktur der Sendungen gut nachvollziehen. Nach einer Kennmelodie bringt die Moderatorin/der Moderator eine Übersicht der vorbereiteten ca. 8 bis 12 Themen und anschließend folgen ca. zehn Minuten mit ausführlichen von einer Sprecherin/einem Sprecher verlesenen Nachrichten sowie der Wetterbericht. Die darauf folgenden Beiträge werden von der Moderatorin/dem Moderator eingeleitet und auch mit einem Schlussstatement wieder beendet. Dazwischen gibt es kurze Musikeinspielungen, sie dienen der Vorbereitung des nächsten Beitrags von der Bandmaschine oder der Zuschaltung von Kommunikationsverbindungen für eine „Vor-Ort-Reportage“, Interviews oder einer Konferenzschaltung. Diese Musik ermöglicht aber auch im Falle des Nichtzustandekommens einer Leitung oder bei schlechter Qualität, Zeit für eine Alternative zu gewinnen wie das Vorziehen des nächsten oder eines im Talon befindlichen meist älteren Beitrags. Die durchschnittliche Dauer der einzelnen Elemente liegt bei fünf Minuten, die An- und Abmoderation überschreitet kaum eine Minute. Thematische Fixpunkte und Hauptbestandteil des Journals sind aufgrund von Aktualität und Bedeutung in unterschiedlicher Reihenfolge und Gewichtung Innen- und Außenpolitik gefolgt von der Inlandspresseschau. Den Abschluss bilden Beiträge aus Kunst und Kultur. Da die Journaldauer im Regelfall nicht überschritten werden kann, bilden diese die Manövriermasse, wenn es im Hauptteil beispielsweise wegen der Überlänge einer aktuellen Liveeinspielung zu Zeitproblemen kommt. Sport und Chronik spielen im Regelfall keine Rolle. Am Ende wiederholt, allerdings nur im Mittagsjournal, die Nachrichtensprecherin/der Nachrichtensprecher noch einmal in einer Kurzfassung die wichtigsten Tagesmeldungen, bevor die Moderatorin/der Moderator mit der Absage das Journal beendet. (Hubauer 2013, S. 1)

4. Didaktische Zugänge

4.1 Grundlagen

Abb. 78 Medienunterricht

Über die Grundlagen des didaktischen Zuganges haben Thomas Hellmuth und Ewald Hiebl in hpb 3 „Politische Festkultur am Beispiel des Ersten Mai“ einen ausführlichen Beitrag zur theoretisch–methodischen Basis der Mediendidaktik geschrieben. (Hellmuth & Hiebl 2011, 31–37)(81)

4.2 Zugangsweisen

4.2.1 Die Medien als Gegenstand des Unterrichts

Dabei stehen beispielsweise die Geschichte der Medien, deren Formen bzw. der Umgang mit ihnen im Vordergrund. Wichtig sind in diesem Fall vor allem geeignete Analyseinstrumente. (Edel 2004i) Durch die Analyse können die Schüler/innen erkennen, dass beispielsweise der Wochenschaubericht oder die ORF-Reportage nicht ein Abbild der Wirklichkeit, sondern eine Konstruktion von Realität darstellt, die durch die Kameraführung, den Bildschnitt, den Einsatz von Musik, die Einbindung von Geräuschen sowie den Kommentar erzeugt wird, womit die jeweiligen Medien als Quelle hinterfragt werden müssen. Wer ist die Auftraggeberin/ der Auftraggeber, was soll vermittelt werden? (Schneider 2010, 386) Der interpretierende Umgang mit diesen medialen Quellen schärft die historische und politikbezogene Methodenkompetenz sowie die politische Urteilskompetenz und fördert die Erarbeitung eigener, kritisch fundierter Positionen. (Wilschky 2008, 240)

Die elaborierteste Methode, allerdings nur für die 11. bis 13. Schulstufe geeignet, wäre für die „Wochenschau“ bzw. die „ZiB“ das Erstellen eines Einstellungsprotokolls(82). Allerdings empfiehlt es sich, mit Rücksicht auf den Zeitaufwand, den Schülerinnen/Schülern jeweils nur eine Minute zum Analysieren aufzugeben und für die übrigen Teile nur eine Grobanalyse zu fordern.

Eine andere Möglichkeit, die sich vor allem für die Sekundarstufe I besonders eignet, ist der Einsatz von Beobachtungsaufgaben für die Analyse. Beispiele dafür sind:

     

  • Welche Personen sind in dem Film/Video zu sehen?
  •  

  • Lassen sich Prominente, z.B. Politiker/innen namentlich identifizieren? Wie verhalten sie sich?
  •  

  • Welche Altersgruppen oder soziale Schichten sind erkennbar?
  •  

  • Welche Reaktionen oder Interaktionen der gefilmten Personen können beschrieben werden?
  •  

  • Kommen die Personen zu Wort? Worüber sprechen/berichten sie?
  •  

  • Berichtet nur eine Kommentatorin/ein Kommentator (aus dem Off )? Welche Inhalte werden vermittelt?
  •  

  • Welche Bedeutung spielen Musik oder Geräusche?
  •  

  • Welche Inhalte werden in der Wochenschau/der Fernsehreportage vermittelt?

Für die Sekundarstufe II sind vor allem Kriterien der Bild- analyse wie Denotation, Konnotation, das Bild-Ton-Verhältnis oder die Frage der Redundanz (Edel 2004k) interessant.

Für alle drei behandelten Formate spielt die Textanalyse eine wichtige Rolle. (Edel 2004l) Zentrale Fragestellungen für eine Analyse könnten sein:

  • Welche Sprachebene wird benutzt? (Hochsprache, Dialekt)
  •  

  • Ist die Reportage allgemein verständlich?
  •  

  • Aus welchen Bereichen tauchen Fachbegriffe auf?
  •  

  • Welche Denotationen bzw. Konnotationen werden verwendet?
  •  

4.2.2 Die innovative und kreative Mediennutzung

Bei diesem Ansatz werden die Medienformate von den Schülerinnen/Schülern selber erzeugt. Das könnten beispielsweise ein Beitrag für eine Journalsendung oder das Erstellen des Treatments(83) für eine „ZiB“ Reportage sein. Für die letzten beiden Klassen der Sekundarstufe II wäre auch, vorausgesetzt die Schule verfügt über das nötige Equipment bzw. die erforderliche Software, die filmische Umsetzung dieses Treatments eine Option. Damit werden „Perspektivenübernahme, Multiperspektivität, Erklären und Verstehen, d.h. Empathiefähigkeit und schließlich auch (Selbst-) Reflexivität ermöglicht.“ (Hellmuth & Hiebl 2011, 32)

4.3 Einsatzmöglichkeiten

Abb. 79 Gruppenarbeit

Der Einsatz der drei beschriebenen Formate kann der Veranschaulichung neuer oder bereits bekannter Inhalte dienen, aber auch zu einer ergänzenden, differenzierteren und nachhaltigeren Informationsbeschaffung beitragen. Insbesondere durch die Analyse wird es auch möglich, die In- szenierung von Ereignissen sowie die Selbststilisierung von Personen zu erfassen. Diese Medien ermöglichen es, einen Impuls für die Unterrichtseinheit zu geben oder können als Quelle für eine Unterrichtsgestaltung in verschiedenen sozialen Kontexten (z.B. Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Stationenbetrieb) eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist, sie zur Ertragsfestigung oder zur Selbstüberprüfung zu verwenden. Die von den Schülerinnen und Schülern selbst produzierten Medien stellen hingegen eine Form der Ertragssicherung dar. (Schneider 2010, 387f)

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LINKS

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