Abb. 5 Formal- Realdemokratie

1.2 Der Zielparagraph und die Folgen

Eine Änderung brachte erst das SchOG 1962. Darin wurde eine staatsbürgerliche und politische Erziehung durch den so genannten Zielparagraphen als Aufgabe jeglicher schulischen Bildung festgeschrieben.

Diese neue inhaltliche Zielsetzung erfuhr durch die gesellschaftspolitischen Veränderungen seit der Mitte der 60er Jahre noch eine Verstärkung. Fragen nach Partizipation der Bürger/innen oder dem Unterschied zwischen der gelehrten Formaldemokratie und der erlebten Realdemokratie blieben von der Staatsbürgerkunde unbeantwortet.

Als Reaktion auf diesen Wandel gab es in den Schulen zahlreiche Neuerungen. So kam es zur Einführung der unverbindlichen Übung „Politische Bildung“ in der AHS, der 1976 an den Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMS/BHS) im Zuge einer umfassenden Lehrplanreform die Umwandlung des bis dahin bestehenden Faches „Staatsbürgerkunde“ bzw. „Staats- und Gesellschaftskunde“ in „Politische Bildung“ folgte.

Der Versuch seitens des Unterrichtsministeriums ein eigenes Fach „Politische Bildung“ für die Abschlussklasse der AHS durchzusetzen, scheiterte aber an dem massiven Widerstand gegen diesen Plan.

Nach diesem Misserfolg sahen die Experten in einem Erlass zum Unterrichtsprinzip Politische Bildung eine Möglichkeit zur Realisierung der Idee. Der vom Unterrichtsministerium vorgelegte Entwurf wurde jedoch so heftig kritisiert, dass es zur Abänderung kontroverser Passagen kam. Dadurch konnte schließlich ein Konsens zwischen den drei Parlamentsparteien (SPÖ, ÖVP, FPÖ) erreicht werden. Im Laufe dieser Überarbeitungen hat der Grundsatzerlass bei kontroversen Passagen deutlich an Konkretheit eingebüßt. Darin erschließt sich auch sein Kompromisscharakter. Nichtsdestotrotz bedeutet der Erlass zweifelsohne einen Bruch gegenüber der Tradition.